Es hinterlässt seine Spuren, wenn man sich seit über zwei Jahren alle vier Wochen an derselben Stelle stechen lässt. Infusionsschwester S. meint zu mir, bevor sie mir weh tut, ich hätte da so eine richtige Junkie-Vene entwickelt. Ich mag die Frau. Nächstes mal aber wohl eine Neue versuchen. Ist dort tatsächlich schon recht hart geworden und schmerzt mich (harter Kerl) wenn die Nadel reingebohrt wird.
Und sonst? Niemand scheint sich für meine Kommode zu interessieren. Werd sie wohl Gebührenpflichtig abholen lassen müssen.

Archiv für die Kategorie Multiple Sklerose
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Veröffentlicht in Erstaunlich, Multiple Sklerose am 2. Mai 2012 von lueqAccessoirekauf
Veröffentlicht in Erstaunlich, Multiple Sklerose am 2. Januar 2012 von lueqDa ich nun offiziell behindert bin, habe ich einen Topf voll Geld gekriegt. Für einen Normalsterblichen nicht viel Geld, für mich aber vielviel Geld. Und irgendwie ist es mir nicht wohl, zu viel Kohle zu haben, ich muss es unter die Leute bringen (Anmerkung: ich brauch das Geld für mich und nur für mich; geteilt wird nichts). Ich beschliesse, eine Armbanduhr zu kaufen. Sollte doch eigentlich einfach sein, schliesslich weiss ich, welches Model ich will. Ich stehe vor zwei Schmuckgeschäften, sehe dabei einmal sogar meine Uhr im Schaufenster. Ich schaffe es aber nicht, in die Bijouterien reinzugehen. Eklig! Die Angst vor Goldläden scheint neu zu sein; ich finde kein Fremdwort dafür.
Ohne grössere Beschwerden schaffe ich es immerhin in den Manor, dort hat es auch Uhren. Zwar nicht an Lager, ich kann mein Teil aber bestellen. Und bei der Frau, wo ich bestellt habe, könnte ich mir überlegen, in Zukunft jede Woche eine neue Uhr kaufen zu gehen.

Unwissentlich dabei
Veröffentlicht in Multiple Sklerose am 13. Dezember 2011 von lueqWieder Mal Infusionsstunde im Kantonsspital. Wie immer vorher erst kurzes Abchecken der Lage mit Frau Dr. F.-B. Ob ich denn bei der [weiss-nicht-mehr-welche]-Studie mitmache? Keine Ahnung. Habe schon lange aufgehört, den Ärzten zuzuhören. Sie stellt dann fest, dass ich bereits seit zwei Jahren dabei bin. Muss dann nun aber wieder eine Patientenverfügung unterschreiben, die ich sogar lesen sollte. Da sie daneben sitzt, nehme ich mir gar die Zeit und überfliege den Wisch. Scheint soweit alles in Ordnung, nur der Schluss ist seltsam. Da steht dann über einer Linie „Name des Patienten, Unterschrift, Datum und Unterschrift“. Im realen Leben würde ich kaum je einen Vertrag unterschreiben, der dermassen fahrlässig aufgesetzt ist, dass nicht Mal die Aufforderung zur Unterschrift einigermassen korrekt ist. Trotzdem kann ich das kleine Witzchen nicht unterschlagen und frage Frau Dr. F.B ob ich denn tatsächlich zweimal unterschreiben muss. Sie ist eher konsterniert und antwortet ernst, dass einmal bestimmt genug ist. Und so darf ich bei der tollen Studie weiterhin mitmachen (und das obschon ich den Patientenleitfaden – meines Wissens – gar noch nie gesehen habe).

Rosmarie hat’s gebracht!
Veröffentlicht in Multiple Sklerose am 15. November 2011 von lueqSie stupsen mich regelmässig im Kantonsspital. Klappt normalerweise hervorragend. Heute werde ich gefragt, ob es denn OK wäre, wenn der Auszubildende mich stechen kann (unter Aufsicht). Kein Problem, der soll auch was lernen. Er versaut es dann aber, trifft die Vene trotz Herumgestochere nicht. Er bricht ab. Ist ihm wahnsinnig peinlich. Mich amüsiert es hingegen eher. Die Aufseherin übernimmt dann den zweiten Versuch. Auch sie beginnt den Kopf zu schütteln, weil es nicht so ganz funktioniert wie geplant. „Entschuldigung“. Jetzt wird notfallmässig nach Superschwester Rosmarie gerufen. Und sie da. Trommelwirbel. Engelsfanfaren. Sie steckt mir die Infusion wie ein Profi und schliesslich kann ich doch noch mit Medikamenten abgefüllt werden. Nur schade, sieht mein arm jetzt aus wie der eines Drogensüchtigen.

Stempel Alkoholiker
Veröffentlicht in Multiple Sklerose, Trinken am 23. August 2011 von lueqEs sind bestimmt über 15 Ärzte, die mich in den letzten drei Jahren angeschaut haben. Monatlich im Kantonsspital (wo es auch häufig Änderungen gibt), von dort wir man oft zu irgendwelchen Studien oder Fachärzten weitergeschickt. Oft ist das Spiel sehr redundant und ich beantworte immer die selben Fragen. Ich lass es über mich ergehen.
Bei der IV hat man nun meinen Fall doch erstaunlich schnell bearbeitet, hatte letzte Woche sogar bereits ein Gespräch mit dem Stellenvermittler dort. Der hat selbstverständlich auch alle meine medizinischen Unterlagen. Gegen Ende des Gesprächs hat er mich dann gefragt, wie es um mein Alkoholproblem stehe. Wie bitte? Davon weiss ich gar nichts. Wir kommen zum Schluss, dass ich gar keines habe.
Ist mir dann später eingefallen, dass ich vor etwa 2 1/2 Jahren einer Ärztin (sie war nur Vertretung des mich normalerweise behandelnden Arztes) auf die Standardfrage Alkohol geantwortet habe, dass es schon ein- bis zweimal im Monat vorkommt, dass ich definitiv zu viel trinke. Sie war schockiert und meinte, dass müsse man unbedingt abklären und hat das dann in meinem Dossier vermerkt. Einem Monat später wieder, bei meinem normalen Arzt, hat er mich gefragt, wie das denn nun sei mit dem Alkohol. Ich antworte dasselbe, „Schon nicht Ideal, schlimm ist das aber bestimmt nicht“.
Heute wieder Infusion, ich frage, ob man den Eintrag irgendwie löschen könnte. Keine Chance. So habe ich nun bis an mein Lebensende dank einer meines Erachtens ziemlich weltfremden Assistenzschnalle (wie viele Leute kennst du, die nicht ab und zu zu viel trinken) in meinem medizinischen Gutachten vermerkt, dass ich ein Alkoholproblem hatte. Super. Hat nun freilich zur Konsequenz, dass ich nie mehr irgendwas sagen werde, wenn ich beim Arzt nach irgendwelchen Lastern gefragt werde.

Aus Hass wird Verachtung
Veröffentlicht in Ärger, Multiple Sklerose am 23. Juni 2011 von lueqSeid froh, wenn ihr Gesund seid. Seid noch froher, wenn ihr so gesund seid, dass ihr nichts mit den Ämtern zu tun habt. Vor über einem Jahr habe ich mich auf dem Amt angemeldet. Da kam dann recht bald ein Bescheid, dass mein Gesuch geprüft wird, dass das aber eine Weile dauern kann. Heute finde ich, dass ich vielleicht nachfragen sollte, was in der Zwischenzeit so geschehen ist. Ufff! Erst ist Frau L. (die für mich zuständige Dame) telefonisch nicht erreichbar. Nach etwas über einer Stunde permanentem Besetztzeichen, erklingt endlich der Freiton. Danach kommt das Band, dass Frau L. nur Dienstag und Donnerstag erreichbar ist. ARSCHBRATZPISSSCHWANZKOPFFOTZE! Schliesslich ist doch Donnerstag. Also erneut eine halbe Stunde Dauerwählen mit dem Resultat Besetztzeichen. Danach Riesenüberraschung: Frau L. ist tatsächlich höchstpersönlich am Apparat. Super. Ich schildere meine Situation und frage sie. Ob sie was in Sachen Fortschritte zu meinem Fall sagen kann. Blätter, blätter, Versicherungsnummer, blätter, blätter… … … „Ach; ihr Dossier scheint irgendwo liegen geblieben zu sein. Es ist zwar hier, bearbeitet wurde es aber nicht. Tut mir leid“. Wieder ARSCHBRATZPISSSCHWANZKOPFFOTZE! „Und jetzt? Wie weiter?“ (und bei den Leuten muss man immer höflich bleiben, man ist ihnen vollständig ausgeliefert). „Ich kann das in die Wege leiten, sehe aber, dass ihr medizinischen Gutachten in der Zwischenzeit zu alt ist, als dass wir einen Entscheid fällen könnten. Tut mir leid“. Ich bleibe immer noch höflich, beschliesse aber, ab nächster Woche täglich beim Amt anzurufen. Sonst wird dort kaum je etwas geschehen. Und ich Trottel hab studiert. Hätte ich doch eine beknackte KV-Ausbildung abgeschlossen, um heute irgendwo in einem langweiligen Büro eine so ruhige Kugel schieben zu können.

Zweimal Doktor
Veröffentlicht in Multiple Sklerose am 8. März 2011 von lueqInfusion #26 im Kantonsspital. Zur „Untersuchung“ (eigentlich eher ein Gespräch) vor der Infusion wird mir eine neue Ärztin zugeteilt. Die ist nicht nur hübsch, sondern sogar schön und ich bedauere es fast ein wenig, dass ich wie immer bloss sagen kann „es geht mir gut, keine Veränderung“. So ist unser Gespräch leider nach kurzer Zeit bereits beendet. Wenigstens kommt sie später noch zu mir ins Infusionszimmer und übergibt mir einen Brief. Ist aber nicht besonders persönlich, enthält der nur das Rezept für mein Kopfwehmittel. Ich habe mir gestern überlegt, dass ich entweder meine Sachen durchsuchen könnte (irgendwo hätte ich es bestimmt gefunden) oder eine neue Verordnung verlangen könnte. Warum nicht den Doktor für mich arbeiten lassen, schliesslich verdient er sein Geld dank mir.
War aber so super im Krankenhaus, dass ich am Nachmittag gleich nochmals zum Arzt gehe. Ich lasse mir die Fäden von meiner Schönheitsoperation von vor zwei Wochen ziehen. Dabei erhalte ich noch den Laborbefund, in dem meine Atherome histologisch näher beschrieben werden. Ich hatte ein Histiozytom und eine Epidermiszyste. Beides nicht gefährlich. Interessant, werde ich wohl aber bald wieder vergessen.

Krankenhausroulette
Veröffentlicht in Multiple Sklerose am 11. Januar 2011 von lueqMonatliche Infusion #24. Dauert immer etwa 2 Stunden, denn es kann vorkommen, dass man das Medikament nicht verträgt und zusammenklappt (ich kann nach der Infusion nicht gerade rumspringen, wie ein junges Rehlein, aber ähnlich), deshalb wird man nach der eigentlichen Infusion noch eine Stunde am Tropf behalten, damit man bei Übelkeit o.ä. gleich umgestöpselt und mit Medikamenten zugedröhnt werden kann. Nach der regelmässigen Untersuchung vor der Medikamentverabreichung versuche ich Zeit zu schinden und frage Frau Dr. F., wie häufig es denn vorkommt, dass einer nach der Infusion die Schraube macht. Sie scheint nicht ganz zu verstehen, worauf ich eigentlich hinauswill und antwortet: „Kann schon vorkommen“. Super! Wie wenn ich zum Bahnhof gehen würde um zu fragen, wann mein Zug geht und als Antwort kriege ich „Ja. Es fährt einer.“ zu hören. Also wieder zwei Stunden im Infusionszimmer rumlümmeln. Heute ist etwas anders als sonst. Nachdem ich angeschlossen worden bin, kommt die Oberinfusionsschwester und klebt einen Zettel auf die vorher nackte Flasche, auf dem steht „Mannhart, Tysabri 300mg“. Ich finde es sei auch ein bisschen spät, den Zettel aufzukleben, sie meint aber, sie wäre am Telefon gewesen, stimmt aber schon. Ich glaube das (muss ich auch, denn was könnte ich unternehmen, wenn eine Medikamentenverwechslung vorliegen würde?). Scheint aber schon richtig gewesen zu sein, immerhin schaffe ich es unversehrt durch Arbeit und Physiotherapie. Beim nach Hause kommen blink der Anrufbeantworter. Könne ja etwas Gutes sein. Beim Abhören höre ich dann aber, dass ich meinen Brille im Spital vergessen habe und die doch morgen abholen kommen soll. Zwar auch nicht schlecht: ich muss morgen ins Kantonsspital und das nur aus eigener selbstverschuldeter Dummheit. Ein neues Gefühl, auf das ich mich sogar ein wenig freue.

Zu alt für Experimente?
Veröffentlicht in Erstaunlich, Multiple Sklerose am 7. Januar 2011 von lueqIch rekognosziere meinen Medikamentenschrank. Er ist gut gefüllt. Sehr gut. Ich schaue die Verfallsdaten an und stelle fest, dass ich insgesamt fünf angebrochene Schachteln habe, die hinüber sind (im Gegensatz zu Lebensmitteln glaube ich an die Ablaufdaten von Medikamenten). Das meiste ist nicht besonders tragisch und frei erhältlich: Kalziumtabletten, Kopfwehmittel, eines heisst Nexium, (keine Ahnung, wogegen das sein soll, als Untertitel steht Protonenpumpenblocker(?)). Auch eine Ladung Restkortisontabletten fällt in meine Hände. Auch egal. Ein wenig ehrfürchtig lande ich bei einem gut gefüllten Karton Valium (Exp: 10 2010). Das Valium habe ich zur letzten Kortisonbehandlung gekriegt. Kortison ist ein Stresshormon, dass man auch selber produziert, bei der Behandlung gegen schwere Infektionen wird es einem dann in etwa 1000-facher Dosis verabreicht (bei mir glücklicherweise über 2 Jahre her; zur Zeit ist es ein bisschen so bei mir, dass ich einfach nur dasitzen kann und mich über meinen Zustand freuen kann). Ich fand’s toll: etwa 4 Stunden schlafen am Tag, pausenlos fressen und bei mir hat es sehr positiv auf die Laune gewirkt (es war mir alles egal und ich fand sogar das toll). Und damit ich nicht um 4 Uhr Nacht auf die Idee komme die Wohnung aufzuräumen oder so (auf so Ideen kommt man), wird man mit Valium etwas ruhig gestellt. Schliesslich sollte man sich entspannen.
Doch was mache ich jetzt mit 18 Valium-Tabletten? Alle auf’s Mal nehmen und schauen was mit mir passiert? Oder gilt das bereits als Selbstmordversuch? Hab ich gar keine Lust drauf. Auch die Idee ein Valium zu schlucken und dann zwei Bier zu trinken, weil das dieselbe Wirkung haben soll wie 15 Bier (N. Hornby, ob das Verhältnis genau so im Buch beschrieben ist, weiss ich nicht; nicht Mal genau, welches Buch; Fever Pitch? High Fidelity?) überzeugt mich nicht. Wohl doch zurück zur Apotheke damit.

Lü. Q., der Film
Veröffentlicht in Multiple Sklerose am 4. Januar 2011 von lueqSeit bereits etwa zwei Jahren gehe ich zur wöchentlichen Physiotherapie. Bereits zu beginn hat es geheissen, sie filmen mich dann etwa jährlich, um den Krankheitsverlauf zu dokumentieren. Wurde dann allerdings irgendwie vergessen. Doch heute ist es soweit. Zu beginn werde ich gefragt, ob es mir denn etwas ausmacht, wenn ich bei den Übungen von der Praktikantin gefilmt werde. Ich antworte darauf, was denn passieren würde, wenn ich jetzt „nein“ sage, worauf mir erwidert wird, dass sich die Hoffnung, dass ich im neuen Jahr ein etwas einfacherer Patient werde , sich eben zerschlagen hat. Wenigstens mit einem Lächeln. Ich find’s ja meistens recht lustig in der Physio, doch denke ich, dass ich diese Meinung mit niemandem teilen kann. Dann geht es los mit dem Film und es werden interessante Takes wie „schlecht gelaunt aussehender Mann steht auf einem Bein“, „schlecht gelaunt aussehender Mann geht eine Treppe hoch“ und „schlecht gelaunt aussehender Mann steht auf und setzt sich wieder“ gedreht. Glaube wird schwer, für dieses Werk einen Verleiher zu finden.
