Wallfahrt

Weil gestern Hausumbaufeier in Solothurn, wache ich dort verkatert auf. Nebel. Natürlich. Weg da. Trotz Brummschädel schaffe ich es nach Domodossola. Dort ist leider Markt. Es hat viele hässliche Taschen, viele hässliche Schuhe, viele hässliche Kleider (auch in blau) und viele hässliche Menschen. Wenigstens steht so was wie die Sonne am Himmel. Ich versuche dem Trubel zu entkommen und begebe mich deshalb auf zum Kreuzweg. Ganz nett, aber bei Station VI (Vroni) gebe ich auf, weil der Weg steiler wird. Zudem weiss ich ja, wie die Geschichte dann ausgeht. Zurück zum Bahnhof, wo ich meine Pilgerreise fortsetze. Das Ziel ist Re (man glaubt es kaum, die Gemeinde Italiens mit dem kürzesten Namen). Weil in Re wurde vor über 500 Jahren ein „böser Mann“ (ich zitiere die Tafel in der Wallfahrtskirche) sauer, nachdem er all sein Geld verzockt hatte und hat deshalb einen Stein gegen ein Marienfresko gepfeffert. Darauf hat die Mimose zwanzig Tage lang blutige Tränen weinen müssen. Ein Wunder! Hurrah! Nur doof natürlich, wenn es Wunder gibt, aus denen eigentlich niemand einen direkten Nutzen ziehen kann (ausser die Devotionalienhändler). Will ich freilich sehen gehen, das Wunder. Re ist erfreulich katholikenfrei. Ich steh so vor dem Marienbild. Nichts geschieht. Ich müsste pissen und mir kommt in den Sinn, dass ich ins Weihwasserbecken machen könnte, wenn ich doch so alleine bin. Fänd ich zwar lustig, trotzdem lasse ich es bleiben. Unbekehrt erleichtere ich mich auf der Heimreise im Zug.

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