Türmchen, Schlösschen, Lügen, Mauern, Tierchen

Ich hatte Lust auf Italien. Aber nicht schon wieder Como oder Domodossola. Da fällt mir ein, dass mir Glurns im Vinschgau das letzte mal recht gut gefallen hat und die Zeit dort recht knapp war. So beschliesse ich dorthin zu fahren. Ich bereite mich sehr gut vor und stelle fest, dass in der Nähe auch mehr oder weniger interessante Attraktionen zu sehen sind. Hat zur Folge, dass ich eine kleinere Rundreise unternehme, die mich über Österreich führt (ich muss sogar den Bus bezahlen).
Morgens um 5 wache ich auf und sehe per iPhone, dass die Regenwahrscheinlichkeit am Reschenpass 70% beträgt. Ganz schön blöd, aber wenn ich doch eh schon wach bin, werde ich’s versuchen. Das Wetter ist dann einiges besser, und bereits um 11:30 stehe ich in Grauns. Die Besonderheit daran ist der Kirchturm, der im Stausee steht. Bin erst etwas enttäuscht, dass es so wenig Wasser drin hat. Entpuppt sich dann aber als Vorteil, weil so kann ich um den gefluteten Turm im See spazieren. Eine Stunde später kommt dann der Bus nach Burgeis, wo ich ein faschistisches Beinhaus (sic!) besichtigen gehe. Kurzer Exkurs dazu: die Faschisten haben so etwa in den 30-er Jahren das im 1. Weltkrieg durch Italien von Österreich-Ungarn eroberte Gebiet markieren wollen und haben deshalb ein paar „Heldendenkmäler“ in der Nähe zur Grenze aufgestellt. Nur doof, dass es im Vinschgau nie eine eine Schlacht gab zu der Zeit. Die Faschisten aber – ganz einfallsreich – haben deshalb den Soldatenfriedhof in Bozen geplündert und die dort liegenden Gebeine nach Mals umgebettet. Das ist schon eine recht dreiste Geschichtsverfälschung, wenn man Gefallene des 1. Weltkrieges als Kämpfer für den Faschismus ehrt. Doch damit nicht genug. Sie haben die Leichen nicht besonders sorgfältig ausgewählt und so sind tatsächlich so um die 50 Österreicher posthum als Kämpfer für die mussolinischen Ideale geehrt worden. Ende Einschub. Ist übrigens recht umstritten, was in Zukunft damit geschehen soll. Baulich gefällt’s mir aber. Dann wieder Bus nach Mals, wo viele Türmchen stehen, die ich schnell gesehen habe und so wandere ich zu Fuss ins ersehnte Glurns. Dabei komme ich immerhin am legendären (weltbekannt unter Eisenbahnliebhabern) Gleisfünfeck vorbei. In Glurns habe ich dann sogar zwei Stunden Zeit. Das reicht gut, aber geiles Teil, mit der voll erhaltenen Stadtmauer (zum Teil begehbar). Die beginnende Heimreise mit dem Postauto ist erstaunlich und interessant. Erst schneit es heftig auf dem Ofenpass (Frühling?) und auf der Fahrt durch den Nationalpark sehe ich Hirsch und Gämse.
Puh, anstrengend aber alles sehr anshlich.

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