Alkoholreise

Wieder in Pontarlier gelandet gestern. Ohne wirklichen Grund, einfach so. Obschon es dort immer was Neues zu sehen gibt und ich über genügend Zeit verfüge, sollte ich mir vielleicht eine andere Destination suchen. Dort angekommen muss ich erst aufs Klo und will einen Alibikaffee trinken gehen. In der Kneipe werde ich über fünf Minuten nicht beachtet. OK, wenn es viel zu tun gibt, da aber zwei Servierdüsen die ganze Zeit um mich rumschwirren und benachbarte (publikumsfreie) Tische aufräumen, finde ich, dass ich mein Geld nicht da loswerden muss. So doll drückt die Blase auch noch nicht. So verschiebe ich zum Friedhof, da ich weiss, dass es dort nicht das schönste, wohl aber das gratiste Klo von Pontarlier gibt. Und von da aus ist es nicht mehr weit zum Destiller meines Vertrauens, so nehme ich den Weg auf mich. Dort ist wie immer Fabrikführung mit Verköstigung und ich mische mich unter die Leute. Ich kriege ein Glas „La Pontissalienne“ (Medaille d’or, Paris 2012). Obschon stark (56% vol.) und mit Zucker nachgeholfen werden muss, kaufe ich eine Flasche. Man weiss ja nie. Und wenn ich schon da bin, kann ich mir noch zwei bedruckte Pontarlier-Anis-Gläser (ich frage mich, wie ich den Pastis bisher überhaupt trinken konnte) leisten. Der Ausschenker fragt mich, ob ich noch ein Glas Absinth probieren will, was ich vernünftigerweise ablehne (wär zwar sicher lustig gewesen, nachmittags um 3 sternhagelvoll in Frankreich rumzutorkeln). Zurück in die Altstadt, habe in einem Schaufenster einen Enzian gesehen. Den finde ich wieder, muss aber feststellen, dass es ein Enzian-Likör, kein Enzian-Schnaps ist. Will ich nicht, sehe aber eine Flasche Tannenschnaps (auch Pierre Guy). Nehm ich. Ich stelle fest, dass mein Alkoholproblem nicht darauf beruht, dass ich zuviel trinke, sondern dass ich zuviel kaufe. Wenigstens finde ich im Supermarkt einen Enzian-Sirup. Ich weiss, dass der sicher nicht gut ist, trotzdem will ich auch denn (ist dann auch nicht so toll, vielleicht sollte ich ihn mit meinem 95° Alcool purissimà statt Wasser verdünnen). Und der Bus zurück hat dann wie immer Verspätung, so dass ich in Fleurier den Anschlusszug verpasse. Wenn man da so 45 Minuten Zeit hat, ist es wenigstens einfach, was zu tun ist: Auf zu Hexenmeister Guilloud, noch mehr Alkohol (Café Hammer hat zwar Sommerpause, die Absinth-Vorräte gehen ohne wohlüberlegte Vorausplanung aber bald aus).

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